Ein Blick in die Geschichte

Da wir ein sehr alter Verein sind, gibt es Protokolle, die Über 100 Jahre zurückreichen. Die Niederschriften sind noch in altdeutscher Handschrift verfasst. Einige fleissige Vereinsmitglieder haben sich an die “Übersetzung” in die lateinische Schrift gemacht, damit wir einen Blick in die Geschichte werfen können. Dank des unermüdlichen Eifers der Eheleute Eichhorn können wir hier Protokolle ab 1904 online als Text zur Verfügung stellen. Diese sind zunächst noch weitgehend unformatiert. Teilweise fehlen auch Worte, Namen oder Textpassagen, sofern sie nicht eindeutig aus dem Sütterlin übertragen werden konnten.

Die Dokumente sind zunächst einfach nach Datum sortiert (Jahr-Monat-Tag).

Das Protokollbuch 1904 – 1943

Ab 1904

Rechenschaftsbericht 1904

Es wurden 3 ordentliche Versammlungen und 8 Ausschusssitzungen abgehalten.

Und zwar 3 Ausschusssitzungen in Gemeinschaft mit dem Ausschuss des Vereins der mittleren und nördlichen Stadt.

Durch ein gemeinschaftliches Vorgehen mit dem Verein der mittleren und nördlichen Stadt hatte unser Verein einen unerwarteten Erfolg aufzuweisen.

Der Glanzpunkt der Feier bildete unsere Weihnachtsfeier am 3. Dez. Der heitere Verlauf derselben ist wohl noch allen von uns im Gedächtnis.

Von großer Wichtigkeit sind die Fragen, welche in unserem Verein aufgetaucht sind und womit der Ausschuss z. Zt. sich damit beschäftigt; es sind dies die Fragen – „die Eingemeindung Ossweils“ – und die Erstellung einer „elektr. Bahn“ vom Bahnhof Ludwigsburg bis Ossweil. Diese beiden wichtigen Fragen werden in diesem Jahr den Ausschuss in besonderer Weise beschäftigen.

Eine günstige Gelegenheit bot die im Nov. stattgefundene Bürgerversammlung.

Unsere Unzufriedenheit betreffs unserer Eingaben an den Gemeinderat, und an die Öffentlichkeit zu bringen. Derselbe hatte den Erfolg, dass Herr Oberbürgermeister Dr. Hartenstein gezwungen war, sich darüber zu rechtfertigen. Wenn der Verein auch im verflossenen Jahre in Bezug auf Vermehrung der Mitgliederzahl wie auch in pekuniärer Hinsicht keine außerordentliche Erfolge aufzuweisen hat, so hat doch derselbe sich seit einem Jahre auf eine moralische Höhe aufgeschwungen, so dass er sich den anderen Bürgervereinen unserer Stadt würdig zur Seite stellen kann. Ja der Verein der östlichen Stadt ist jetzt ein Faktor geworden, mit dem gerechnet werden muß.

Möge der Verein seiner hohen Aufgaben stets bewusst bleiben und jedes Eingehen dazu beitragen, dieselben zu lösen.

Der Vorstand: Jakob Hemminger
Der Schriftführer: W. Paule

Ab 1905

3. Generalversammlung am 21.01.1905 Lokal Breuninger zur Wilhelmshöhe

Eröffnung derselben um 9 Uhr, durch den Vorstand Herrn Hemminger; bei Anwesenheit von 24 Mitglieder. Nachdem der Vorstand Herr Hemminger den Rechenschaftsbericht vorgetragen hat, erstattete Herr Göbele seinen Kassenbericht;

derselbe gestaltete sich folgendermaßen; per 1. Januar 1905 Beiträge M 77,40 Überschuss bei der Weihnachtsfeier M 43,50, Ausgaben M 50,62, Cassa 32,80, Netto Vermögen M 132,80.

Hierauf wurde zur Wahl des Vorstandes geschritten, und wurde Herr Hemminger einstimmig wiedergewählt.

In Ausschuss wurden 4 Mitglieder auf 2 Jahre und 1 Mitglied auf 1 Jahr gewählt. Gewählt wurden folgende Herren Göbele 22 St. Ganter 21 St. Cantz 16 St. Carl Schwarz 16 St. Rapp 14 St. Herr Rapp ist somit auf 1 Jahr gewählt.

Als Mitglied wurde Paul Härle aufgenommen. Ebenso wurde die Mitgliedschaft des Herrn Osswald, der seinen Austritt erklärt hatte, von neuem anerkannt.

Herr Vorstand Hemminger machte Mitteilung von einer Unterredung, welche er mit Herrn Direkt. […] Eisenmenger bezüglich unseres Artikel der Ludwigsburger Zeitung, eine elekt. Bahn betreffend.

Nachdem die auf der Tagesordnung vorgesehen Punkte erledigt waren, kam die Frage einer elekt. Bahn zur Sprache. Es wurde 2 Stunden lebhaft darüber debattiert. Es traten verschiedene Ansichten und Meinungen zu Tage; Schließlich wurde es dem Ausschuss überlassen an der Sache weiter zuarbeiten.

Schluss der Sitzung um 12 Uhr.

Der Vorsitzende: Hemminger
Der Schriftführer: W. Paule

Abschrift einer Eingabe 6. Febr. 1905

Der Verein der östlichen Stadt erlaubt sich, den […]lichen Gemeinderat auf verschiedene Mängel des östlichen Stadtteils aufmerksam zu machen.

1. Es ist ein dringendes Bedürfnis, dass die Jägerhofstrasse beleuchtet wird und würde sich der Verein vorerst begnügen mit Erstellung einer Laterne über der Jägerhof- und Alleenstrasse .
2. Instandsetzung und Unterhaltung eines Fußweges
a. in der Posilippostrasse, von den königlichen Anlagen bis zum Bezirkskrankenhaus.
b. In der Meiereistr., von der Mühlstraße [Langwegle ?] bis zum alten Friedhof. Insbesondere sollten die Zugänge zu dem Anwesen der Landwirtschaft Rapp, welcher in seinem Gewerbe über die Zeit der Abholung sehr geschädigt war, und auch jetzt noch sehr geschädigt ist (durch die z.Zt. bestehenden schlechten Wegverhältnisse) in besseren Stand gesetzt werden.

Der Verein der östlichen Stadt ersucht den […]lichen Gemeinderat ebenso dringend wie höflich, bei den oben angeführten Zuständen Abhilfe zu schaffen.

Mit größter Hochachtung zeichnet.

Der Ausschuss

Ausschuss-Sitzung am 16. Februar 1905 bei Wirt Holzinger „zum Stern“

Anwesend waren die Herren Hemminger, Göbele, Paule, Ganter, Wacker, Cantz und Rapp.

Herr Vorstand Hemminger nimmt Stellung zu dem Artikel in Nr. 35 der Ludwigsburger, in welchem unter andern drauf hingewiesen wird, dass die Bewohner außerhalb der Stadt nicht die selben Rechte besitzen auf Anspruch eines guten Trottoir, Beleuchtung usw. wie die Bewohner innerhalb der Stadt. H. Hemminger betonte hierzu, dass die Stadt zu vielen Anderen was weniger nötig sei, Geld besitze, wie bespielweise das geplante neue Gewächshaus für die Stadtgärtnerei usw. Der Ausschuss ist mit den Ausführungen des H. Vorstandes ganz einverstanden, es wird beschlossen eine Entgegnung in der Ludw. Zeitung zu bringen, wozu sich H. Hemminger bereit erklärte.

Zur heutiger Ausschusssitzung wurde auch der Vorstand des Ludwigsburgers Gewerbe- und Handesvereins Herr Lotter ein geladen. Diese Einladung erfolgte aus Veranlassung eines Artikels in der Ludw. Zeitung vom Gewerbe- und Handesvereins in welchen darauf hingewiesen wurde, dass das größte Hindernis der Entwicklung der Ludwigsburger Industrie der Mangel an Arbeitskräften sei. Es wurde nun in Gemeinschaft mit H. Lotter die Ansicht ausgetauscht ob nicht durch eine von Seiten des Vereins der östlichen Stadt angeregte Straßenbahn in die nahe gelegene Ortschaften östlich der Stadt den Mangel an Arbeitskräften abhelfen könnten. Herr Lotter ist der Ansicht, dass der von unserem Verein geplanter Richtung nicht viel zu erwarten sei; viel aber verspricht sich derselbe mehr in nordöstlichen Richtung, wo die Ortschaften gar so groß, oder nur schlechten Anschluss an die Bahn hatten. Herr Lotter bemerkt noch, dass nur durch Gewinnung von Geldleuten und durch Zeichnung eines Garantiefonds ein derartiges Unternehmen in Fluss kommen könnte. Zum Schluss drückt H. Lotter noch den Wunsch aus, man möchte den Bestrebungen Gewerbe- und Handesvereins darin unterstützen, dass demselben als Mitglied beitrete.

Herr Rapp stellt noch den Antrag der Verein möchte an den Gemeinderat eine Eingabe machen, betreffs Beleuchtung der […] o. der Kehrichtabfuhr von seinem Anwesen.

Der Vorstand: J. Hemminger
Der Schriftführer: W. Paule

Gemeinschaftliche Ausschusssitzung mit dem Ausschuss des Vereins am 28. Febr. 1905

Gemeinschaftliche Ausschusssitzung mit dem Ausschuss des Vereins der mittl. u. nördl. Stadt bei Otterbach „zum Falken“ am 28. Febr. 1905

Aufstellung der Wählerliste wie folgt:

Dietrich, Föhr, Heeß […], Hardegg, Knödler und Sturm.

Es wurden nun die verschiedenen Vorbereitungen zur Gemeinderatswahl getroffen wie: Besorgung der Wahlzettel u. Couverts, das Überschreiben der Couverts, aufstellen der Zeitungsanoncen u.s.f. Und mit gemischtem Gefühl ging man nach Hause.

Der Vorstand: Jak. Hemminger
Der Schriftführer: W. Paule

Abschrift einer Eingabe 6. März 1905

Der Ausschuss des Vereins der östlichen Stadt ersucht höflichst den ehr[…] Gemeinderat um Erstellung einer Laterne in Mitte des Lang[…] und eine solche in der Posilippostr., in der Nähe des Anwesens von Frau Professor Dieterle.

Die mangelhafte Beleuchtung dieser Gegend ist für den Wirtschaftsbetrieb von Landwirt Rapp eine nicht zu unterschätzende Schädigung in seinem Gewerbe; außerdem ist eine bessere Beleuchtung auch für die dortigen Anwohner sehr wünschenswert. Gleichzeitig wird noch ersucht, dass der Kehrichtwagen auch bei dem Anwesen von Landwirt Rapp anfährt.

Mit größter Hochachtung zeichnet.

Der Ausschuss

Ausschusssitzung am 10. Juni 1905 bei Wirt Eitel im Fuchshof

Anwesend waren die Herren Hemminger, Gäbele, Wacker, Rapp und Schwarz,

zu nächst wurden folgende Herren in den Verein aufgenommen Karl Maier, Ludwig Maier, Wilhelm Pfisterer, Herr Wahl und Christ. Haag.

Herr Ludwig Rapp Stellte den Antrag in seinem Anwesen für die Mitglieder des Vereins eine italiensche Nacht zu veranstalten; unter gleichzeitiger Einladung des Vereins der mittleren- und nördlichen Stadt. Der Ausschuss gibt hinzu seine Zustimmung und bewilligt einen Betrag von 25 M. Der Vorstand des Vereins der mittleren- und nördlichen Stadt ist persönlich hierzu eingeladen. Mitglied Paule übergibt dem Verein eine Spende von 25 M. Der Tag des Familienabends ist auf den 15. Juni 1905 bestimmt. Eine hierzu gewählte Commission bestehend aus den Herren Rapp, Hemminger und Paule.

Der Vorstand: Hemminger
Der Schriftführer: Paule